„Von Warschau bis Paris – auf dem Weg zur Klimagerechtigkeit“

„Von Warschau bis Paris – auf dem Weg zur Klimagerechtigkeit“

Im Rahmen der Eröffnungsfeier der Salzburger Festspiele hielt der australische Historiker Christopher M. Clark am 27. Juli 2014 die Festrede. In dieser warnte er davor, die Gefahren in einer Phase des Umbruchs nicht zu unterschätzen. Er verglich die heutige Zeit mit jener vor dem Ausbruch des ersten Weltkriegs; mit dieser hatte sich der Autor in seinem Bestseller „Die Schlafwandler“ intensiv auseinandergesetzt.

Manche werden sich die Frage stellen, was wohl den Umbruch in unserer Zeit ausmacht. Der Aufstieg von Staaten wie China, Indien, Brasilien, Südafrika? Die rapide Zunahme der Weltbevölkerung? Wirtschaftskrise, Finanzkrise? Und wo die Gemeinsamkeiten der Zeit vor Ausbruch des 1. Weltkriegs und unserer Zeit liegen.

Eine für viele überraschende Deutung liefert David Titley, Direktor des Penn State’s Center for Solutions to Weather and Climate Risk, und ein pensionierter Admiral der US Marine. Er vergleicht auch das Jetzt mit der Zeit vor dem ersten Weltkrieg, wenn auch auf Grundlage der Analysen des britischen Historikers Max Hastings und seinem Buch „Catastrophe 1914“. Worin liegt nun die Deutung von David Titley? Er sieht als Ursache eines großen Flächenbrandes die langsame und stetige Erwärmung des Klimas, verursacht durch die Emissionen von Treibhausgasen (nachzulesen im Editorial von Science, einem renommierten Wissenschaftsmagazin, erschienen am 25. Juli 2014.)

Die Ähnlichkeiten unserer Zeit mit jener vor genau 100 Jahren liegt nach Titley in der Herausforderung für die politischen Akteure, die richtigen politischen Entscheidungen zu treffen. So wie vor 100 Jahren eine andere Reaktion des Habsburgerreiches dem Verlauf der Geschichte möglicherweise eine ganz andere Wendung hätte geben können, so weitreichend und verheerend können auch die Folgen von falschen Entscheidungen etwa in Paris, im Jahr 2015, anlässlich der Vertragsstaatenkonferenz unter der Klimarahmenkonvention sein. Er stellt trocken fest, dass die Entscheidungsträger vor 100 Jahren das Risiko von hohen menschlichen Verlusten ignorierten – und ähnliches droht durch die indirekten Folgen der Erwärmung der Atmosphäre bzw. der Emissionen von Treibhausgasen, etwa bedingt durch den Anstieg des Meeresspiegels und die Versauerung der Ozeane. Das Problem ist, dass kurzfristige Vorteile ohne Rücksicht auf zukünftiges Wohlergehen versucht werden, um jeden Preis durchgesetzt zu werden.

Ein Indiz, wie sehr der früher oder später unvermeidliche Ersatz der fossilen Energieträger, welche Quelle der den Klimawandel auslösenden Treibhausgasemissionen sind, durch andere Energieträger, welche nahezu oder gänzlich frei von derartigen Emissionen sind, könnte darin gesehen werden, dass gerade zwei jener Staaten, welche besonders abhängig vom Erlös des Verkaufs fossiler Energieträger sind, indirekt in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt sind.

Ob wir bereit sind aus der Geschichte zu lernen, aus der leidvollen Erfahrung, gerade in unserem Land?

PILGRIM, welches unter dem Motto „Bewusst leben – Zukunft leben“ Bildung für Nachhaltige Entwicklung mit einer religiös-ethischen-philosophischen Bildungsdimension zu verbinden sucht, lädt alle ein, sich mit den oben angesprochenen Analogien auseinanderzusetzen.

MR Dr. Klaus Radunsky, Beitrag für die Klimaallianz www.klimaallianz.at, 2014

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